Die Marken und Religion

Das Kloster von Fonte Avellana liegt auf den Abhängen des Bergmassivs vom Catria (1701 m.) 700 m über dem Meeresspiegel. Seine Ursprünge liegen um das Jahr 1000, sicher ist aber, dass sich bereits in den letzten Jahrzehnten des X. Jahrhunderts einige Eremiten entschieden hatten, in diesem waldigen Talkessel des Berges zu wohnen. Er zeichnete sich durch eine Vielzahl von Hazelnussbäumen ("avellane”) und durch eine Wasserquelle ("fonte”) aus.
 
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Diese Eremiten waren in ihrer Spiritualität sicherlich beeinflusst durch den Hl. Romuald aus Ravenna, der Vater der benedektinischen Kongregation der Kamaldulenser. Er lebte und wirkte nämlich zwischen dem X. und dem XI. Jahrhundert in Gebieten ganz in der Nähe von Fonte Avellana wie Sitria, dem Berg Petrano und San Vincenzo al Furlo: einen Besuch wert ist die winzige romanische Abtei auf der Seite der Schlucht, auf der auch das Städtchen Acqualagna liegt. Sie wurde vor dem Jahre 970 gebaut und ist somit eine der ältesten Benediktinerklöster der Marken.
 
 
 
 
 
 
Viele der eremitischen Gewohnheiten in Fonte Avellana waren fast identisch mit denen, die in Camaldoli und in anderen vom Hl. Romuald geprägten Orten üblich waren. Auch in der "Regula vitae eremiticae", die der Hl. Petrus Damiani für Fonte Avellana verfasste, findet man viele Elemente aus der Lehre der "Costitutiones" des Seeligen Rudolfs (4. Prior in Camaldoli) wieder.
 
Die Entwicklung von Fonte Avellana begann mit dem Hl. Petrus Damiani. Seiner starken Persönlichkeit ist nicht nur der ursprüngliche Kern der Bauten zu verdanken: Vielmehr machten seine spirituellen, kulturellen und organisatorischen Anregungen aus der Einsiedelei ein wichtiges Anziehungs- und Verbreitungszentrum des Mönchtums und übten einen gewaltigen Einfluss auf die religiösen Reformen und das soziale Leben aus.
 
Dank dieses außerordentlichen Mönchs und Kirchenmannes konnte sich das avellanitische und kamaldulenser Mönchtum in seiner Jahrhunderte alten Geschichte als die Erfahrung eines besonders glaubwürdigen, intensiven Christentums erweisen. Denn dieser Einsiedelei entstammten ca. fünfzig Bischöfe und eine zahlreiche Schar für ihre Heiligkeit und Lehre berühmter Mönche. Einer beständigen und sehr alten Überlieferung zufolge soll sogar der "göttliche Dichter” Dante Alighieri zu Gast in diesem Kloster gewesen sein, das er in seiner "Göttlichen Komödie” folgendermaßen besang:

 
"Es thürmen sich in Italien zwischen Strand und Strand Gebirge,
die auch deine Heimath schirmen.
So hoch ragt auf gar manche Klippenwand,
Daß tief noch unter ihr die Donner dröhnen.
Am Fuß 'ner Kuppe, Catria genannt,
Siehst du sich eine schöne Wildniß dehnen.
Geeignet schien mir diese Friedensbucht,
An Gottbetrachtung still mich zu gewöhnen."

                                               (Paradies, 21. Gesang – Üb. von Sophie Hasenclever)

Nach den Annales Camaldulenses – die diese Überlieferung von anderen vorhergehenden Historikern übernommen haben – befand sich der "göttliche Dichter” 1318 zu Gast bei Bosone von Gubbio und soll eben in diesem Jahr Fonte Avellana besucht haben. Im Jahr 1325 zur Abtei errichtet, entwickelte sich Fonte Avellana zu einer sozialen und ökonomischen Macht und musste kurz darauf (1392) die Erfahrung der sogenannten "Kommenden” machen (XIV.-XV. Jh.). Die "Kommende” bedeutete die Übertragung von Pfründen bzw. Gütern, die einem Kloster oder einer Abtei gehörten, an Fremde, meistens Persönlichkeiten von höherem kirchlichen oder weltlichen Rang mit dem alleinigen Zweck, diese reicher zu machen. Deshalb wurde das Verfahren der "Kommenden” als eine Plage angesehen, als eine der Tragödien, die stark zu dem materiellen und moralischen Verfall von sehr vielen monastischen Zentren beigetragen haben.

Fonte Avellana blieb unter der Regelung der Kommenden bis fast zum Ende von 1700. Obwohl die Abtei manche Kommendataräbte - wie den Kardinal Giuliano Della Rovere (der späterePapst Julius II.) - hatte, die bemerkenswerte Bauarbeiten und Verziehrungen hinterließen, wurde sie doch von den unvermeidbaren Beeinflussungen so sehr beeinträchtig, dass der Verfall ihres monastischen Lebens zwar langsam aber unabwendbar war. Dieser Niedergang endete mit der 1810 von Napoleon veranlassten und kurz später, 1866, vom Italienischen Staat wiederholten Auflösung.
 
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Doch in Fonte Avellana setze sich das Leben fort, wie genährt von einer inneren Quelle. Und heute, wieder in den Händen der Kamaldulensermönchen, hat Fonte Avellana sowohl die schlichte Schönheit ihrer architektonischen Strukturen (X.-XIX. Jh.), die inzwischen fast vollständig in ihrer ursprünglichen Pracht restauriert worden sind, als auch jenen Glauben und jene Kultur zurückgewonnen, die sie seit ihrer Entstehung geprägt hat.

 
        
 
 
Die gelassen daliegende Abbazia di Fiastra  ist eine der großen Zisterzienserabteien, die gegründet wurden unter den Fittichen von Clairvaux in Frankreich. Abgesehen von der herrlichen Lage beeindruckt sie mit wunderbaren Fresken von den Brüdern Salimbesi und einem schönen Renaissancekreuzgang. Ein Teil des Gebäudes ist nun archäologisches Museum mit Funden aus der nahen Urbs Salvia und mit einer Sammlung antiker Landwirtschaftsgeräte. Das gesamte Gebiet ist ein Naturschutzpark, ein idyllisches Wandergebiet, das vom World Wildlife Fund sorgsam betreut wird.
 

Das Kloster wurde 1142 vonHerzog Garnerio von Spoleto  möglicherweise an der Stelle eines bereits 1098 bestehenden Benediktinerklosters gegründet und im selben Jahr vom Kloster Chiaravalle Milanese  unter Führung des Abtes Ugo besiedelt. Damit gehörte es derFiliationPrimarabtei Claiveaux  an.

 

Mit einer Bulle des Papste Alexander III.wurde dem Kloster Fiastra 1165 das Benediktinerkloster Santa Croce del Chienti unterstellt, das jedoch in den Unterlagen des Zisterzienserordens nicht aufscheint und 1285 zur Ruine wurde. 1456 fiel Kloster Fiastra inKommende  und wurde im Jahr 1581 von Papst Gregor XIII . den Jesuiten übertragen. Die verbliebenen Zisterzienser zogen sich darauf nachRom  in die Kirche San Vito zurück. Das dortige Kloster trat 1623 der römischen Provinz der italienischen Zisterzienserkongregation bei.

 

Das Kloster Fiastra kam nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 an die Markgrafen Bandini di Camerino, die das Kloster in eine Landresidenz verwandelten. Die Kirche wurde einige Jahre später den Augustinern  übertragen und schließlich 1963 zur Pfarrkirche. 1985 wurde in Chiaravalle di Fiastra mit einer kleinen Gemeinde aus Chiaravalle Milanese wieder ein Zisterzienserkloster eröffnet.